Vishing, kurz für „Voice Phishing“, ist eine Social-Engineering-Attacke, bei der Kriminelle Telefonanrufe oder Sprachnachrichten nutzen, um Menschen dazu zu bringen, vertrauliche Informationen preiszugeben, Geld zu senden oder Zugriff auf ihre Konten und Systeme zu gewähren.
Der Name kombiniert „Voice“ und „Phishing“, und die Vorgehensweise funktioniert ähnlich wie E-Mail-Phishing, indem sich der Anrufer als eine vertrauenswürdige Person ausgibt und Sie dazu drängt, schnell zu handeln. Was Vishing besonders schwer zu entlarven macht, ist der menschliche Faktor: Eine lebendige, selbstsichere Stimme am Telefon kann überzeugender wirken als jede E-Mail. Und je weiter KI-basierte Tools zur Stimmenklonung verfügbar werden, können Angreifer eine vertraute Stimme so überzeugend imitieren, dass die angerufene Person getäuscht wird – was bedeutet, dass eine wiedererkennbare Stimme kein Beweis mehr für die Identität des Anrufers ist.
Ein Vishing-Angriff folgt einem einfachen Ablauf: Vertrauen aufbauen, Dringlichkeit erzeugen und etwas Wertvolles entlocken, bevor das Opfer Zeit zum Nachdenken hat. Die meisten Angriffe durchlaufen dieselben Phasen:
Vishing tritt selten allein auf. Bei einem „Telephone-Oriented Attack Delivery“ (TOAD) erhält das Opfer zunächst eine Phishing-E-Mail und anschließend einen Folgeanruf, der den Betrug glaubwürdig erscheinen lässt. Angreifer kombinieren zudem Telefonanrufe mit Smishing (SMS-Phishing), um ihre Opfer über mehrere Kanäle hinweg zu erreichen.
Vishing tritt in verschiedenen erkennbaren Formen auf, die jeweils auf ein anderes Opfer und ein anderes Ziel zugeschnitten sind.
Phishing, Vishing und Smishing sind die gleiche Art von Social-Engineering-Angriffen, die über unterschiedliche Kanäle erfolgen. Hier der Vergleich:
| Angriffstyp | Channel | Wie Sie erreicht werden | Typisches Ziel |
|---|---|---|---|
| Phishing | Eine Nachricht, die scheinbar von einer vertrauenswürdigen Marke oder einem vertrauenswürdigen Kontakt stammt | Klicken Sie auf einen schädlichen Link, öffnen Sie einen Anhang oder geben Sie Ihre Anmeldedaten auf einer gefälschten Website ein. | |
| Vishing | Telefonanruf oder Voicemail | Ein persönlicher oder automatisierter Anruf, häufig mit gefälschter Anrufer-ID | Einen Zugangscode oder ein Passwort preisgeben, eine Zahlung vornehmen oder Fernzugriff gewähren |
| Smishing | SMS oder Textnachricht | Eine Nachricht mit einem bösartigen Link oder der Aufforderung, darauf zu antworten | Klicken Sie auf einen Link, geben Sie Informationen weiter oder rufen Sie eine betrügerische Nummer an |
Die Abwehr ist bei allen drei gleich: Gehen Sie bedächtig vor und überprüfen Sie die Anfrage über einen Kanal, dem Sie vertrauen, bevor Sie handeln.
Die meisten Vishing-Anrufe weisen typische Warnsignale auf. Behandeln Sie einen Anruf als verdächtig, wenn Ihnen eines der folgenden Anzeichen auffällt:
Eine seriöse Bank, ein seriöser Anbieter oder eine seriöse Behörde wird nichts dagegen haben, wenn Sie auflegen und unter einer offiziellen Nummer zurückrufen. Angreifer hingegen schon.
Sie können Betrüger nicht daran hindern, anzurufen, aber Sie können dafür sorgen, dass ihre Anrufe erfolglos bleiben. Ein mehrschichtiger Ansatz, der Menschen, Prozesse und Technologie kombiniert, erzielt die besten Ergebnisse. Hier einige Beispiele.
Über einen vertrauenswürdigen Kanal überprüfen
Legen Sie auf und rufen Sie unter einer Nummer zurück, die Sie selbst nachgeschlagen haben – nicht unter einer Nummer, die Ihnen der Anrufer genannt hat. Ein Rückruf zur Überprüfung unter einer bekannten, unabhängigen Rufnummer ist die wirksamste Maßnahme gegen Vishing, einschließlich Angriffen mittels KI-gestützter Stimmklonung.
Geben Sie niemals vertrauliche Informationen am Telefon preis
Behandeln Sie Einmalcodes, Passwörter und vollständige Zahlungsdaten bei jedem eingehenden Anruf als streng vertraulich. Keine seriöse Organisation verlangt von Ihnen, dass Sie diese laut vorlesen.
Legen Sie einen Verifizierungsschritt für sensible Anfragen fest
Verlangen Sie für Zahlungen, Überweisungen und das Zurücksetzen von Anmeldedaten eine zweite Bestätigungsform. Ein zuvor vereinbartes Codewort oder eine Rückrufrichtlinie sorgt dafür, dass eine geklonte Stimme allein nicht ausreicht.
Schulen Sie Ihr Team und Testen Sie Es
Führen Sie parallel zu den Phishing-Schulungen auch Vishing-Simulationen durch, damit Ihre Mitarbeiter das Erkennen von Druckmitteln üben können. Achten Sie besonders auf die Helpdesk- und Finanzteams, die häufig ins Visier genommen werden.
Identitätsprüfung am Helpdesk verstärken
Verlangen Sie strenge, vorgeschriebene Identitätsprüfungen vor jeder Zurücksetzung eines Passworts oder der MFA. Damit wird eine der am häufigsten ausgenutzten Schwachstellen beim Vishing in Unternehmen geschlossen.
Starke Multifaktorauthentifizierung (MFA) verwenden
Aktivieren Sie die Mehrfaktor-Authentifizierung (MFA) für wichtige Konten und bevorzugen Sie App-basierte oder Hardware-Authentifikatoren gegenüber SMS-Codes, da diese von Angreifern leichter abgefangen oder dem Opfer durch Überredung entlockt werden können.
Melden Sie verdächtige Anrufe
In den USA melden Sie Vishing bei dem Internet Crime Complaint Center (IC3) des FBI sowie der FTC. Durch Meldungen können Ermittler Kampagnen nachverfolgen und andere warnen.
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