Ein „Infostealer“, kurz für Information Stealer, ist eine Art Malware, die darauf ausgelegt ist, heimlich sensible Daten von einem infizierten Gerät zu erfassen und sie anschließend an einen Angreifer zu übertragen. Infostealer zielen auf gespeicherte Passwörter, Browser-Cookies, Session-Tokens, Autofill-Daten und Kryptowährungs-Wallets – oft, ohne dass das Opfer etwas davon bemerkt.
Infostealer haben sich in kurzer Zeit zur treibenden Kraft hinter dem modernen Diebstahl von Anmeldedaten entwickelt. Allein in der ersten Hälfte des Jahres 2025 stahlen sie schätzungsweise 1,8 Milliarden Anmeldedaten – ein Anstieg um 800 % gegenüber den vorangegangenen sechs Monaten. Diese gestohlenen Zugangsdaten liegen nicht einfach in einem Dark-Web-Forum herum. Sie bilden den ersten Schritt bei der Übernahme von Konten, bei Betrug und bei einem schnell wachsenden Anteil von Ransomware-Angriffen.
Quellen: Flashpoint Global Threat Intelligence Index, 2025 Midyear Edition; Verizon 2025 Data Breach Investigations Report.
Ein Infostealer arbeitet still im Hintergrund eines infizierten Geräts, scannt wertvolle Daten und leitet sie an den Angreifer weiter. Die meisten folgen demselben dreistufigen Ablauf: Infizieren, Sammeln und Exfiltrieren.
Sobald die Malware auf einem Rechner aktiv wird, scannt sie die üblichen Speicherorte: im Browser gespeicherte Passwörter, Cookies und Session-Tokens, Felder für die automatische Ausfüllfunktion, E-Mail-Clients, Messenger-Apps und Kryptowallet-Dateien. Es bündelt sämtliche Daten in einem „Log“ und sendet sie innerhalb von Sekunden an einen Command-and-Control-Server. Viele Infostealer löschen sich anschließend selbst, um ihre Spuren zu verwischen.
Die meisten werden als „Malware-as-a-Service“ (MaaS) angeboten. Für nur 200 USD im Monat kann ein unerfahrener Angreifer ein professionelles Infostealer-Kit mieten, inklusive Dashboards und Support. Diese niedrige Einstiegshürde ist ein Hauptgrund dafür, dass die Bedrohung so stark gewachsen ist. Zu den bekannten Familien zählen Lumma Stealer, RedLine und Raccoon.
Infostealer haben es auf alles abgesehen, was sich verkaufen oder zur Kontoübernahme wiederverwenden lässt. Die häufigsten Ziele:
Infostealer erreichen ihre Opfer über dieselben alltäglichen Kanäle, denen die Menschen bereits vertrauen. Zu den gängigen Verbreitungsmethoden gehören:
Ein einziger infizierter Laptop kann eine vollständige Organisation gefährden. Infostealer sind deshalb so relevant, weil die eigentliche Gefahr erst nach dem Diebstahl entsteht.
Gestohlene Anmeldedaten begünstigen schwerwiegendere Angriffe. Laut dem Verizon Data Breach Investigations Report 2025 tauchten die Domains von 54 % der Ransomware-Opfer bereits vor dem Angriff in Protokollen von Infostealern auf. Erstzugangsbroker kaufen diese Protokolle, filtern daraus Unternehmens-VPN-, RDP- und Cloud-Anmeldedaten heraus und verkaufen den Ransomware-Gruppen fertige Zugangsdaten. Die Zeitspanne zwischen einem gestohlenen Zugangsdaten-Log und einem schwerwiegenden Ransomware-Vorfall kann unter 48 Stunden liegen.
Sie umgehen auch die Multi-Faktor-Authentifizierung. Durch das Stehlen aktiver Session-Cookies können Angreifer eine angemeldete Session wiederverwenden und sich Zugang zu Konten verschaffen, ohne jemals ein Passwort oder einen Einmal-Code eingeben zu müssen. Die herkömmliche Multi-Faktor-Authentifizierung allein wird sie nicht aufhalten.
Für ein Business bedeutet das, dass der Diebstahl von Anmeldedaten kein geringfügiges IT-Problem ist. Oft ist es der erste Dominostein bei Datenlecks, Finanzbetrug und Ransomware, der die Geschäftsabläufe zum Stillstand bringen kann.
Infostealer sind so konzipiert, dass sie verborgen bleiben, hinterlassen jedoch Spuren. Achten Sie auf Folgendes:
Da sich die Malware häufig selbst löscht, werden Infostealer durch das Monitoring der Anmeldedaten und die Erkennung am Endgerät meist schneller entdeckt, als wenn man auf offensichtliche Symptome wartet.
Sie können sowohl das Infektionsrisiko als auch den Wirkungsradius verringern, falls eine Infektion doch einmal durchkommt. Starke Schutzmaßnahmen umfassen:
Infostealer sind in der Regel der erste Schritt, nicht der letzte. Die von ihnen gestohlenen Anmeldedaten führen im weiteren Verlauf häufig zu Ransomware oder zur Vernichtung von Daten. Veeam kann zwar nicht verhindern, dass Malware auf einem Endgerät landet, sorgt jedoch dafür, dass ein gestohlenes Passwort nicht zu einer Business-Katastrophe wird.
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