Einleitung

Wenn große Datenmengen gesichert werden müssen, versucht man dies möglichst platzsparend zu realisieren, um die Kosten für Backupspeicher zu minimieren. Bei Backups auf Image-Ebene, die mit herkömmlichen Technologien realisiert werden, ist man jedoch gezwungen, das gesamte Image der virtuellen Maschine (VM) zu sichern. Das führt zu Problemen, die es bei klassischen agentenbasierten Backups nie gab.

Beispielsweise kann man beim Analysieren von Backups z. B. mit Veeam ONE feststellen, dass die Backups einiger VMs größer sind als die eigentliche Festplattenauslastung von den Gastsystemen, was dazu führt, dass mehr Backupspeicher als geplant belegt wird. Dieses Phänomen kann man häufig bei Fileservern beobachten bzw. bei Systemen, bei denen viele Daten gelöscht werden, ohne durch neue ersetzt zu werden.

Auch nutzlose Dateien können unnötig viel Backup-Speicherplatz belegen. Bestimmte Daten oder Verzeichnisse möchte man vielleicht gar nicht erst sichern, doch bei Backups auf Image-Ebene wird man gezwungen, alles zu sichern.

Gelöscht ist nicht gleicht gelöscht

Bekannt ist, dass in fast allen modernen Dateisystemen gelöschte Dateien nicht sofort von der Festplatte verschwinden. Die Datei wird lediglich im FAT (File Allocation Table) des Dateisystems (z. B. Master File Table (MFT) bei NTFS) als gelöscht markiert. Der Inhalt der Datei befindet sich aber weiterhin auf der Festplatte, bis dieser von einer neuen Datei überschrieben wird. Nur deshalb können Tools zur Dateiwiederherstellung überhaupt funktionieren. Um den Inhalt dieser Blöcke zurückzusetzen, muss man z. B. auf SDelete von Windows Sysinternals zurückgreifen. Dieses Tool überschreibt die Blöcke bereits gelöschter Dateien mit Nullen. Anschließend deduplizieren und/oder komprimieren die meisten Backup-Lösungen diese genullten Blöcke, damit sie beim Backup keinen Speicherplatz belegen. Über alle VMs regelmäßig SDelete laufen zu lassen, ist jedoch äußerst zeitaufwändig und bei Hunderten von VMs kaum möglich. Deshalb belassen es die meisten Anwender gleich und die Blöcke gelöschter Dateien bleiben im Backup.

Ein weiterer Nachteil von SDelete ist, dass es Thin-Provisioned-VDMKs aufbläht, was sich erst wieder durch den Einsatz von Technologien wie VMware Storage vMotion beheben lässt. Weitere Informationen hierzu finden Sie im VMware-KB-Artikel 2004155.

Außerdem sind diese Tools mit Vorsicht anzuwenden. Da SDelete eine sehr große genullte Datei erzeugt, kann es passieren, dass dadurch andere Produktionsanwendungen auf dem betreffenden Server beeinträchtig werden, denn diese Datei belegt vorübergehend den gesamten freien Speicherplatz des Laufwerks.

Ungenutzte Dateien gar nicht erst sichern

Bestimmte Dateien und Verzeichnisse will man gar nicht erst sichern, z. B. Anwendungslogs, Anwendungs-Caches, temporäre Exportdateien oder Nutzerverzeichnisse mit persönlichen Daten. Eventuell gibt es zudem Datenschutzbestimmungen, die es verlangen, dass einzelne Objekte vom Backup ausgeschlossen werden. Bislang gab es jedoch nur eine Möglichkeit, um mit VM-Backup-Lösungen nutzlose Daten herausfiltern zu lassen. Dazu mussten die nicht benötigten Daten auf jeder VM manuell auf die dafür vorgesehenen virtuellen Laufwerke (VMDK/VHDX) verschoben werden. Diese Laufwerke wurden dann von der Verarbeitung ausgeschlossen. Auch dieser Ansatz ist jedoch in großen Umgebungen, in denen jeden Tag dutzende neue VMs auftauchen, schlicht nicht umsetzbar. Die meisten Anwender haben sich damit abgefunden, dass bei Image-Backups auch nutzlose Daten immer mit gesichert werden.

Lernen Sie Veeam BitLooker kennen

Veeam BitLooker ist die zum Patent angemeldete Technologie von Veeam zur Datenreduzierung, mit der sich Blöcke gelöschter Dateien und nutzlose Dateien effizient und vollautomatisiert vom Backup ausschließen lassen. So sparen Sie in erheblichem Umfang Backupspeicher und Bandbreite und können so Ihre Kosten weiter senken.

Der erste Teil von BitLooker wurde vor ein paar Jahren in Veeam Backup & Replication eingeführt und ermöglichte, die Blöcke von Auslagerungsdateien (SWAP-Files) von der Verarbeitung auszuschließen. Wenn man berücksichtigt, dass jede VM eine Auslagerungsdatei anlegt, die in der Regel mindestens 2 GB groß ist und sich täglich ändert, ist dies eine beachtliche Datenmenge, die in die vollständigen wie auch inkrementellen Backups mit einfließen würde. BitLooker erkennt den Speicherort der Auslagerungsdatei jedoch automatisch und ermittelt, welche Blöcke ihr auf der zugehörigen VMDK entsprechen. Diese Blöcke werden dann automatisch von der Verarbeitung ausgeschlossen, im Ziel-Image durch genullte Blöcke ersetzt und dann weder in einer Backup-Datei gespeichert noch in ein repliziertes Image aufgenommen. Die sich daraus ergebenden Ersparnisse sind offensichtlich!

Veeam BitLooker is the first solution offering the option to exclude deleted files or certain folders.

BitLooker in v9

In Veeam Backup & Replication v9 wurde die BitLooker-Funktionalität erheblich erweitert, um die Datenmenge noch stärker zu reduzieren. In Veeam Backup & Replication v9 stehen nun insbesondere die folgenden drei BitLooker-Funktionen zur Verfügung:

  • Ausschluss der Blöcke von Auslagerungs- und Hibernationsdateien
  • Ausschluss der Blöcke gelöschter Dateien
  • Ausschluss von benutzerdefinierten Dateien und Ordnern

In v9 unterstützt BitLooker nur NTFS-formatierte Laufwerke. Der Großteil der BitLooker-Funktionen ist bereits in der Veeam Backup & Replication Standard Edition verfügbar. Das Ausschließen von benutzerdefinierten Dateien und Ordnern ist jedoch erst ab der Enterprise Edition möglich.

Konfiguration von BitLooker

Für die Steuerung von BitLooker in v9 stehen verschiedene Einstellungen zur Verfügung. Die ersten beiden finden Sie in den erweiterten Einstellungen (Advanced Settings) der einzelnen Backup- und Replikationsjobs.

Die Option zum Ausschluss von Auslagerungsdateiblöcken war zwar schon in vorherigen Produktversionen vorhanden, wurde in v9 aber auf Hibernationsdateien ausgeweitet.

Daneben gibt es jetzt eine neue Option zum Ausschluss von Blöcken gelöschter Dateien:

You have to configure the exclusion of deleted in each backup job’s advanced settings.

Anwender, die bereits vorherige Versionen genutzt haben, werden nach dem Upgrade feststellen, dass diese Option bei bereits vorhandenen Jobs deaktiviert bleibt, damit sich deren bisheriges Verhalten nicht ändert. Sie können die Option manuell für einzelne Jobs aktivieren oder aber mit diesem PowerShell-Script automatisch für alle vorhandenen Jobs aktivieren lassen.

In den meisten Fällen wird sich nach der Aktivierung der Option zum Ausschließen der Blöcke gelöschter Dateien die Backup-Datei nur geringfügig verkleinern. Dies liegt daran, dass beim Großteil der Server die Daten nie einfach gelöscht, sondern vielmehr durch neue Daten überschrieben wurden. In den meisten Fällen ist die Datenmenge nach dem Überschreiben größer als vorher – und damit ist auch klar, warum sich die Menge der Daten auf der Welt alle zwei Jahre verdoppelt. In bestimmten Szenarios (z. B. bei Datenmigrationen) kann die Funktion jedoch drastische Effekte haben.

Außerdem können Sie in v9 mithilfe von BitLooker für jeden Backup-Job den Ausschluss bestimmter Dateien und Ordner konfigurieren. Anders als in vorherigen Versionen ist diese Funktionalität Teil der anwendungskonsistenten Gastverarbeitungslogik, und Ausschlüsse können nur auf einer laufenden VM ausgeführt werden. Entsprechend finden Sie die Dateiausschlusseinstellungen im Job-Assistenten in den erweiterten Einstellungen des Gastverarbeitungsschrittes („Guest Processing“). Sie haben die Möglichkeit, entweder bestimmte Dateisystemobjekte auszuschließen oder umgekehrt nur bestimmte Objekte zu sichern:

You’ll also need to configure the exclusion of specific files and folders for each backup job.

Bedenken Sie bei der Verwendung dieser Funktion, dass sich je nach Menge der ausgeschlossenen Dateien die Backupzeit und der Arbeitsspeicherverbrauch im Proxyserver erhöhen. Während beispielsweise die Verarbeitung von Ausschlüssen für 10.000 Dateien weniger als 10 Sekunden dauert und nur 50 MB zusätzlichen RAM benötigt, nimmt das Ausschließen von 100.000 Dateien schon 2 Minuten und fast 400 MB zusätzlichen RAM in Anspruch.

Zusammenfassung

Mit Veeam BitLooker erhalten die Anwender die Möglichkeit, den Bedarf an Backupspeicher und Bandbreite noch weiter zu reduzieren, ohne dass zusätzliche Kosten entstehen. Die Funktion lässt sich mit wenigen Klicks aktivieren, und schon bei der nächsten Ausführung eines Backup- oder Replikationsjobs werden die Vorteile spürbar sein.

Welche Wirkung hat das Aktivieren von BitLooker in v9 bei Ihnen? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar, um Ihre Erfahrungen mit uns zu teilen!

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Hendrik Bardowicks
Author: Hendrik Bardowicks

Publizieren: Februar 1, 2016